Frischauf, der Taunus ruft

Taunusklub Nied feiert 100-jähriges Bestehen

Der Taunusklub Nied ist eine wilhelminische Gründung. Und bietet bis heute erholsame und gesunde Freizeitgestaltung in Gesellschaft für wenig Geld.

Von: Holger Vonhof/Höchster Kreisblatt

 

Die Gründer: Heinrich Wels, Christian Steinebach und Heinrich Hehmann

 

Der Taunus, ein rheinisches Mittelgebirge. Ihm und seiner höchsten Erhebung, dem Großen Feldberg, waren die Wanderfreunde im 19. Jahrhundert eng verbunden, die 1868 auf 878,53 Meter Höhe den Taunusklub aus der Taufe hoben. Die Nieder Sektion entstand 1911: Die knebelbärtigen Herren Heinrich Wels, Christian Steinebach und Heinrich Hehmann, Prachtexemplare der wilhelminischen Gattung Mann, hatten schon im Jahr zuvor die Idee zur Gründung eines Wandervereins gehabt. Am 18. Januar war es dann soweit: Mit 16 weiteren Herren hoben sie den Taunusklub Nied in der Gaststätte «Zum Hafen» aus der Taufe. Der Tag war genau gewählt. Der 18. Januar 1911 war der 40. Jahrestag der «Wiederaufrichtung der Deutschen Nation», sprich der Kaiserproklamation und der Reichsgründung im Spiegelsaal von Versailles.

Am 24. Januar schloss sich der Taunusklub Nied dem Gesamt-Taunusklub als Zweigverein an. Die erste Wanderung führte ein Dutzend Wanderfreunde und ein fünfjähriges Kind am 29. Januar 1911 von Königstein über Falkenstein und Fuchstanz zum Großen Feldberg und zurück über das «Rote Kreuz» nach Königstein.

Bis zum Ende des Jahres 1911 konnten bereits 73 Mitglieder gelistet werden. Schon im Gründungsjahr beschränkte sich der Taunusklub Nied nicht auf Ausflüge ins namensgebende Mittelgebirge, sondern wanderte auch an der Lahn, im Odenwald und im Spessart. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben jedoch bis 1919, bis zur nächsten Wanderung und der Einführung gut besuchter «Klubabende» mit 60 bis 80 Teilnehmern.

Rollende Ungetüme

Ein großer Tag für den Taunusklub Nied war die Ausrichtung der Hauptversammlung des Gesamt-Taunusklubs am 19. Oktober 1924: Festakt im Saalbau der «Waldlust», großer Umzug durch die Nieder Straßen, geselliger Tanzabend. Mitte der 20er Jahre wurde auch das Jugendwandern im Verein aufgebaut und gefördert. Ein Großereignis war im Sommer 1930 die erste «Kraftwagen-Fernfahrt» in den Spessart. Aus Flörsheim rollten morgens um 6 Uhr zwei große Ungetüme an; ihre je 45 Plätze waren ausgebucht, so dass noch fünf private Automobile ihnen in den Spessart folgten. Der Fahrpreis betrug 7 Reichsmark.

Und wieder kam Krieg. Trotz des Kriegsausbruchs wollten die Nieder Tauniden ihre Wanderungen nicht einstellen. Am 2. Januar und 30. Juli 1944 fanden die letzten beiden «Kriegswanderungen» statt, dann kam das Vereinsleben – wie das gesamte öffentliche Leben – bis Ende 1946 zum Erliegen.

In der Nachkriegszeit war das Wanderin wieder «in». Besonders in den Jahren 1953 und 1954 nahmen die Teilnehmerzahlen ständig zu. Die 50-Jahr-Feier des Vereins war 1961 in großes Ereignis – der Nieder Mandolinenklub brachte musikalische Glückwünsche dar, und der für den Frankfurter Westen zuständige Stadtrat Karl Blum, selbst eifriger Wanderer, gratulierte genauso wie Delegationen benachbarter Taunusklubs aus Sindlingen, Griesheim oder Münster.

Wandern in Kroatien

In dem sechziger Jahren nahm die Motorisierung zu, und den Mitgliedern fielen damit Ausflüge an weiter entfernte Ziele wie Rhein und Mosel oder Vogelsberg und Schwarzwald deutlich leichter. Ende Mai 1970 ging es gar zu einer dreitägigen Wanderfahrt in die Vogesen. Mehrtagestouren waren die Zukunft – und sind noch heute beliebt. Für 2012 ist eine zehntägige Bus- und Wandertour nach Kroatien geplant. Heute hat der Taunusklub Nied 143 Mitglieder – in Nied, den umliegenden Stadtteilen, aber auch in Hattersheim oder «hoch bis nach Gießen», wie der amtierende Vorsitzende Alban Höflein sagt. Er hadert ein wenig damit, dass der Altersdurchschnitt der Mitglieder recht hoch sei: «Unser jüngstes Mitglied ist 41, und dann geht’s erst bei 55 plus weiter.» Jüngere Mitglieder sind gerngesehen. «Man lernt neue Leute kennen, sitzt sonntags nicht alleine zu Hause», beschreibt Höflein die Motivation vieler Mitglieder, «Man kann in der Gruppe laufen und sich unterhalten oder auch allein. Wir gehen gemächlich durch den Wald und über die Flur.» Will der Wanderführer das Tempo mal beschleunigen, hilft ein einfacher Trick: «Bei 20 Leuten sage ich dann, dass es im Lokal nur 18 Sitzplätze gibt», grinst Höflein. 80 Prozent der Mitglieder des Nieder Taunusklubs sind Frauen – das sollte für die Herren doch Ansporn sein: Auch Alban Höflein hat seine Frau Renate beim Wandern kennengelernt, im Wittgensteiner Land. Beim Wandern ist klar: Hier haben die Frauen eine ursprünglich reine Männerdomäne besetzt. Vielleicht das deshalb die Aktiv-Kunstfaser die gute alte Kniebundhose verdrängt.

 

 

100 Jahrfeier am  Sonntag den 26.06.2011